Wir lieben schöne Bücher

Magdeburger Pirckheimer

Kalligraphie und Bibliophilie nahe beieinander?

Eröffnung der Ausstellung „Nahe bei uns“ Kalligraphien zu Texten von Gisela Steineckert“

Kalligraphie und Bibliophilie – passen diese beiden überhaupt zusammen? Das mag sich mancher Besucher neugierig gefragt haben, der am 19. April zur Eröffnung der Ausstellung „Nahe bei uns“ ins einewelthaus Magdeburg gekommen war. „Beide passen sogar sehr gut zusammen“, fand Sigrid Wege. Als Vorsitzende des Vereins der Bibliophilen und Graphikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt e. V. „Willibald Pirckheimer“ begrüßte sie die Gäste der Vernissage, zu der der Verein eingeladen hatte, um Kalligaphien der Frauen der Kritzelstube Magdeburg zu zeigen.

Personengruppe
Selbstverständlich waren auch die Frauen der Kritzelstube anwesend. Hier verfolgt Katrin Pribbernow (3. v. l.) die Eröffnung. © R. Wege

Die Verbindung zwischen Bibliophilie und Kalligraphie sei beispielsweise gegeben, da für den Bibliophilen die Gestaltung von Text, die Gestaltung einer Buchseite durch passende Typographie eine wichtige Rolle spiele. Und um ein künstlerisch gestaltetes Zusammenspiel von Text und dessen Darstellung gehe es auch bei der Kalligraphie, so Wege. Für beide sei zudem die Auseinandersetzung mit Literatur ein wichtiger Punkt. Genau das haben die Frauen der Kritzelstube gemacht. Sie haben sich in den ausgestellten Kalligraphieblättern explizit mit Texten der Autorin Gisela Steineckert auseinandergesetzt. Die Ergebnisse sind sehr verschieden und bieten damit eine große Vielfalt. In diesem Sinne sei Kalligraphie auch mehr als Schönschreiben von Hand, so Sigrid Wege.

Rund 30 Gäste besuchten die Ausstellungseröffnung. Mit dabei auch Corinna Domhardt (im Vordergrund). eine der Kritzelfrauen. | © R. Wege

Seit etwa neun Jahren widmen sich die Frauen den Gedichten und Liedtexten der 1931 in Berlin geborenen und heute dort lebenden Gisela Steineckert, so Helga Kleiner von der Kritzelstube in ihrer Einführungsrede. Aus den Blättern, die so im Laufe eines Jahres entstehen, schaffen es zwölf in einen Kalender. Sieben Kalender haben die Kritzelfrauen unter Anleitung von Sylvia Walther im Laufe der vergangenen Jahre herausgegeben. Der aktuelle Kalender, dessen Blätter in der Ausstellung noch bis zum 14. Juni zu sehen sind, steht unter dem Motto „Nahe bei uns“. Gestaltet wurden die Kalligraphien von Kathrin Berger, Corinna Domhardt, Janet Fellendorf, Michaela Heinemann, Elke Kirchner, Helga Kleiner, Vera Leitow, Annerose Medoch, Katrin Pribbernow, Gesine Raeck, Bärbel Schön, Regine Steinwerth, Sylvia Walther. Dass es den Künstlerinnen für den nächsten Kalender an Text mangelt, ist nicht zu erwarten. Über 50 Bände mit Gedichten, eine Vielzahl autobiografischer Geschichten und Essays sowie mehr als tausend Songtexte hat Giesela Steineckert verfasst.

Helga Kleiner brachte den Besuchern die Arbeiten der Kalligraphinnen näher. | © R. Wege

Für Helga Kleiner nicht überraschend, da regelmäßig aufgeworfen, kam aus dem Publikum die Frage, wie lange man üben müsse, um Kalligraphie so gut zu beherrschen, wie es die Kalenderblätter zeigten. Um zu diesem Punkt zu kommen, so Kleiner, müsse man den Text etwa in einer Länge von fünf Kilometern geschrieben haben. Und das alles mit einem hohen Maß an Konzentration.

Vereinsvorsitzende Sigrid Wege überreichte für die Kritzelfrauen ein Erinnerungsgeschenk an deren Leiterin Sylvia Walther. | ©. R. Wege

Konzentration benötigten auch Frederike Sommer und Aaron Vinatzer an der Trompete, sowie Manuel Vinatzer und Johann Härtel an der Posaune, die für die musikalische Begleitung der Ausstellungseröffnung sorgten. Zum Schluss gab es für sie nicht nur wohlverdienten Applaus, sondern auch eine kalligraphisch verpackte Überraschung.

Gesprächsabend über „Die Kunst des Sammelns“


„Die Kunst des Sammelns“

Die Magdeburger Pirckheimer laden ein zum
Gesprächsabend mit dem Berliner Künstler Hartmut Robert Andryczuk über „Die Kunst des Sammelns“

am Mittwoch, 17. Mai, 19 Uhr
im Literaturhaus Magdeburg

Der Eintritt ist frei!


„Ein Sammler … ist genauso Opfer seiner Passion wie der Künstler. Verwandte Seelen eben.“ Dieses Zitat von Till Schröder, Chefredakteur der „Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie“, charakterisiert vorwegnehmend den Abend, zu dem die Magdeburger Pirckheimer herzlich einladen. Am Mittwoch, 17. Mai, widmen sie sich im Literaturhaus der „Kunst des Sammelns“.

Dazu haben sie den Künstler Hartmut Robert Andryczuk aus Berlin eingeladen, der in seinem Hybriden-Verlag seit 2015 eine Reihe von Künstlerbüchern über und mit bedeutenden Sammlern herausgibt. Darunter sind Privatsammler wie Helmut Mayer und Peter Zitzmann oder Sammler mit beruflichen Hintegrund wie Michael Lailach, Kurator und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Staatlichen Museen zu Berlin und Leiter der Sammlung Buchkunst in der Kunstbibliothek oder der Historiker und Verleger Jens Henkel (Burgart-Press).

Die Kunst des Sammelns, Band 2
Wulf D. von Lucius

So verschieden die Sammler-Persönlichkeiten sind, so unterschiedlich sind ihre Schwerpunkte beim Sammeln von Künstlerbüchern. Beispielsweise lernen die Leser im Band 5 von bisher 8 in dieser Reihe erschienenen Bänden die niederländischen Sammler Serge Stommels und Albert Lemmens kennen. Sie haben eine der umfangreichsten Sammlungen russischer Künstlerbücher. Anders Wulf D. von Lucius. Er bringt in Band 2 dem Bücherfreund Themen wie Buch-Kunst-Objekt, Antiqua-Schriften, William Morris, Bibliophiler Lokal-Patriotismus oder Buchkunst in den USA näher.

Die Bücher von Hartmut Robert Andryczuk sind dabei selbst Kunstwerke, deren Texte Andryczug meistens mit eigenen Originalzeichnungen ergänzt. Eine Künstleredition, die ihre Sammler bereits gefunden hat.  Bei einer Auflagenhöhe von 30 sind die Exemplare begehrt, und nicht jedes Buch ist noch erhältlich. 

„Nahe bei uns“

Pirckheimer auf Schatzsuche in der Magdeburger Uni-Bibliothek

Prof. Wolfram Neumann führt durch die Buchkultur bibliophiler Kleinbuchreihen des 20. Jahrhunderts

Voller Neugierde auf bibliophile Schätze hatten sich die Magdeburger Pirckheimer im Foyer der Universitätsbibliothek in Magdeburg getroffen, wo sie von Prof. Wolfram Neumann, leidenschaftlicher Büchersammler und emeritierter Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik, herzlich empfangen wurden. Er hat die Neugierde der Bibliophilen in der folgenden Stunde absolut befriedigt. 2003 überließ er gemeinsam mit seiner Ehefrau Ute rund 30.000 Bände seiner umfangreichen Privatsammlung der Unibibliothek in Form einer Stiftung (Stiftung zur Erhaltung und Pflege der Buchkultur bibliophiler Kleinbuchreihen des 20. Jahrhunderts).

Blick auf die Bände der Inselbücher | © R. Wege
Blick auf die Bände der Inselbücher

Die in Glasvitrinen wohlgeordneten Bände begrüßen quasi jeden Bibliotheksbesucher, in der Regel sind es Studenten, wenn er sich einige Treppenstufen hinauf in das Obergeschoss begibt. An diesem Abend gesellten sich die Pirckheimer den Studenten beim Treppesteigen hinzu. Als erstes öffnete Prof. Neumann die Vitrine, in der die farbig gestalteten schmalen und eng beieinander stehenden Buchrücken schon von weitem den Blick der Besucher auf sich ziehen. Ein imposantes Bild gibt sie ab, die fast komplette Reihe der berühmten Insel-Bücher. Als eines der ersten Exemplare greift Neumann zur legendären Nummer 313 mit den von Wolfgang Kayser herausgegebenen Gedichten des deutschen Barocks. Das Besondere an diesem Insel-Büchlein ist die geringe Zahl der heute noch existierenden Exemplare, deren Auflage bei der Zerstörung des Verlagshauses im Zweiten Weltkrieg fast komplett vernichtet worden war. Ausnahmsweise ist das Exemplar in Neumanns Händen ein Faksimile, das Original ist zwar ebenfalls in seiner Sammlung, liegt aber angesichts eines heute geschätzten Kaufpreises im fünfstelligen Bereich sicher im Tresor. Faksimile oder Original, für Prof. Neumann ist klar: „Eine schöne Buchreihe ist ein Gesamtkunstwerk.“

2.170 Buchreihen

Die Reihe der Inselbändchen gehört zu den insgesamt 2.170 Buchreihen, die von Dr. Ute und Professor Wolfram Neumann in Jahrzehnten zusammengetragen wurden und heute in der Magdeburger Universitätsbibliothek zu bewundern sind. Die Sammlung umfasst den Zeitraum vom deutschen Kaiserreich über die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, die Teilung Deutschlands bis in die Gegenwart.

Prof. Neumann (r.) und Pirckheimer Axel Behr freuen sich über das Exemplar der Fächer-Bibliothek. | © R. Wege
Prof. Neumann (r.) und Pirckheimer Axel Behr freuen sich über das Exemplar der Fächer-Bibliothek. | © R. Wege

Während manche Buchreihen wie die illustrierten „Märchen aus aller Welt“, erschienen von 1947 bis 1948 in der Mitteldeutschen Verlags-Gesellschaft, komplett vertreten sind, stehen für andere einige Exemplare beispielhaft in den Regalen, oder, wie im Fall eines Buches in Fächerform (Fächer-Bibliothek, erschienen 1877 in Leipzig bei Hoffmann & Ohnstein), nur ein einziges Exemplar. Klangvolle Namen wie Seemanns Bibliothek der Kunstgeschichte, Reclam, die Bücherei des Schocken-Verlags oder die von Kurt Wolff von 1911 bis 1923 heraugegebene Reihe „Der jüngste Tag“ gehören ebenso zur Sammlung wie Buchreihen, die eher dem Bücherfreund vertraut sind. Stellvertretend sei an dieser Stelle auf Pandora, Weberschiffchen und die Graphischen Bücher (Gustav Kiepenheuer Verlag, 1920) hingewiesen.

Einige Ausgaben der Zaunkönig-Bücher | © R. Wege
Einige Ausgaben der Zaunkönig-Bücher | © R. Wege

Wahrscheinlich häufiger als erwartet stößt auch der Bibliophile auf seinem Weg entlang der Bücherregale auf Verlagsnamen und Buchreihen, die ihm zumindest bist zum Besuch der Neumann-Stiftung unbekannt gewesen sind. Dazu gehören zum Beispiel mit großer Wahrscheinlichkeit die Zaunkönig-Bücher, erschienen um 1947 in London, herausgegeben von der Kriegsgefangenenhilfe CVJM.

Wissenschaftliche Aufbereitung

Für die meisten Bibliophilen ist das Sammeln schöner Bücher nur eine Facette ihrer Leidenschaft. Eine andere ist für die Beschäftigung rund um die jeweilige Ausgabe, ihre Provinienz, ihre Gestaltung, ihre Ausstattung etc.. Ganz in diesem Sinne stellen Wolfram Neumann und seine Frau finanzielle Mittel zur wissenschaftlichen Aufbereitung dieser Sammlung zur Verfügung. Und sie werden die jährlichen Neuerscheinungen der noch laufenden Buchreihen künftig weiter der Stiftung zuführen.

Blick in die Büchersammlung | © R. Wege

Zander-Ausstellung bis 3. Februar verlängert

„Puppenspiel mit Moralitäten. Bilder zur Literatur“ bis 3. Februar im Literaturhaus Magdeburg zu sehen

Eine Woche länger als ursprünglich geplant sind die Werke des Leipziger Altmeisters Heinz Zander im Magdeburger Literaturhaus zu sehen. Unter dem Thema „Puppenspiel mit Moralitäten. Bilder zur Literatur“ zeigen die Magdeburger Pirckheimer rund 150 Werke Zanders. Darunter großformatige Ölbilder ebenso wie kleinformatige Zeichnungen oder Druckgrafik. Eine bibliophile Ausstellung mit einer beeindruckenden Vielfalt an Technik und Format aus einer Hand, aus dem speziellen Blickwinkel Bilder zur Literatur, aus sechs Jahrzehnten künstlerischen Schaffens. Eine Ausstellung der Magdeburger Pirckheimer in Zusammenarbeit mit der Galerie Thoms.

Zur Eröffnung der Ausstellung im November 2022 waren rund 60 Gäste gekommen. Zum Teil hatten sie dafür eine weite Anreise auf sich genommen wie Kunst- und Kulturfreunde aus Mannheim, Bad Frankenhausen, Chemnitz, Berlin oder Mühlhausen.

Sigrid Wege, Vorsitzende der Magdeburger Pirckheimer, begrüßt die Gäste der Vernissage im Literaturhaus Magdeburg. | © Ralf Wege

Vor allem die Fülle an Zeichnungen haben viele Gäste der Vernissage begeistert. Da diese aus einer Privatsammlung stammen, bekommt man sie selbst in einem Museum oder einer Galerie nicht einfach mal so zu Gesicht. Dazu gehören unter anderem Zanders Zeichnungen zu Tristan und Isolde, König Lear oder Doktor Faustus.

Heinz Zander hat nicht nur „Bilder zur Literatur“ geschaffen, sondern ist selbst als Autor mehrerer literarischer Werke bekannt. Sein Vorteil: Er kann die eigenen Texte selbst illustrieren. So geschehen auch bei dem Roman „Puppenspiel mit Moralitäten“, welcher der Ausstellung den Titel gab. Natürlich ist der Roman im Literaturhaus zu sehen. Doch es wäre keine Ausstellung eines bibliophilen Vereins, wenn nicht noch mehr gezeigt würde. So sind alle Vorzeichnungen ausgestellt, dazu die Zeichnungen des Umschlages sowie der Bilder, welche die beiden Innenseiten des Buchdeckels illustrieren.

Die Bandbreite der künstlerischen Auseinandersetzung Zanders mit Literatur spiegelt sich ebenso in den Pressedrucken wider. In Magdeburg zusehen ist unter anderem „König Phineus und die Austreibung der Harpyien“, erschienen als 11. Druck der Dürer-Presse. Ein Originalhalblederband im Original-Halbleinenschuber mit einer nummerierten und signierten Originalradierung „Harpyie mit Gelege und Orgelspieler“ (Blattgröße: 26,5 X 35 cm. Bildgröße: 24,5 X 17,5 cm).

Gehört der Dürer-Druck zu den großformatigen Druckwerken Zanders, sind seine Illustrationen des Erotikons „Colberts Märchen nach der Mode“, ein Beispiel dafür, dass er auch das kleine Format meisterhaft beherrscht. Davon können sich die Besucher der Ausstellung überzeugen. Gezeigt werden sowohl alle 60 Vorzeichnungen als auch der fertige Druck, erschienen 1988 im Hinstorff-Verlag (Buch- und Rückentitel in Goldprägung. Schuberformat: 10,5 x 7,5 Zentimeter, Ledereinband im Pappschuber) sowie eine Auswahl von Blättern aus der zuvor erschienenen Grafikedition in Kassette.

Heinz Zander, 30, Der Engel John Silver, 1990, 70 x 80

Mit fünf Ölgemälden öffnet die Ausstellung den Blick weiter auf die Vielfalt Zanders in Technik und Format – und das mit dem speziellen Blick auf Literatur. Blickfang ist das Bild „Der Engel John Silver betritt den Strand“ zum Roman „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson. Mit dem Ölgemälde „Theseus und Ariadne“ werden die Ausstellungsbesucher in die griechische Mythologie weitergeleitet und können darin zudem den Meister im Selbstporträt entdecken. An der Wand gegenüber gilt es, Homers Sireneninsel zu betreten oder Adelbert von Chamissos` Peter Schlemihl in seinem Flug zu begleiten.

Die Ausstellung bietet neben solchen „ins Auge fallenden“ Stücken wahre Kleinode, die auf ihre Entdeckung warten. So zum Beispiel die Diplomarbeit von Heinz Zander: „Der Untergang des Hauses Usher“ von Edgar Allen Poe oder „Adam Behringers Engel, eine Radierung mit eigenem Text, editiert vom Leipziger Bibliophilen-Abend. Dazu gehört auch die Möglichkeit für die Besucher, einen Bezug zur Radiertechnik des Künstlers zu bekommen. So sind nicht nur Blätter der Mappe „Der Zauberberg. 15 Radierungen zu Thomas Mann“ zu sehen, sondern für das Blatt 2 „Castorp im Gebirge“ (Blattgröße: 21,9 X 17,6 cm.) die dazugehörige Druckplatte.

Fiedelist und Strong, Hauptfiguren des Romans „Puppenspiel mit Moralitäten oder über die Kunst des Spazierengehens“ von Heinz Zander.

Ausstellung: Heinz Zander – Puppenspiel mit Moralitäten.
Literaturhaus Magdeburg e.V.
Thiemstraße 7
39104 Magdeburg
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag
10 – 12 Uhr und 14 – 16 Uhr sowie nach Vereinbarung bzw. zu den Abendveranstaltungen

Einblicke in die Sammlung Neumann

Die Pirckheimer Magdeburg laden ein

Einblicke in die Sammlung Neumann
Buchreihen als Spiegel des kulturellen Lebens in Deutschland des 20. Jahrhunderts

15. Februar 2023, 17 Uhr,
Universitätsbibliothek Magdeburg

Abgebildet ist ein Teil der Sammlung der Neumannstiftung in der Universitätsbibliothek Magdeburg.
© wikipedia – Creative Commons

Die Ute-und-Wolfram-Neumann-Stiftung ist vom bloßen Namen her wahrscheinlich vor allem in Expertenkreisen geläufig. Wenn man dagegen einige Titel der Buchreihen nennt, die als Neumann-Sammlung den Kern der Stiftung ausmachen, wird jeder Bücherfreund anerkennend nicken: Pandora, Piper, Weberschiffchen, Seemanns Bibliothek der Kunstgeschichte, Bücherei des Schocken-Verlags und nicht zuletzt die wohl bekannteste Reihe, die Insel-Bücherei. Zuhause ist die Buchreihensammlung der Stiftung in der Universitätsbibliothek Magdeburg und damit an einem Ort, der bisher nicht zu den Hotspots der Bibliophilie in Deutschland gehört.

Warum dieses Sammlung in der Ottostadt an der Elbe beheimatet ist, welche Buchreihen sie umfasst und wie sie im Laufe von Jahrzehnten gewachsen ist, all das ist Thema der nächsten öffentlichen Veranstaltung der Magdeburger Pirckheimer. Am Mittwoch, 15. Februar 2022, treffen sie sich um 17 Uhr in der Magdeburger Universitätsbibliothek. Dort stellt Prof. Dr. Wolfram Neumann seine Stiftung zur Erhaltung und Pflege der Buchkultur bibliophiler Kleinbuchreihen des 20. Jahrhunderts vor und führt durch die Sammlung, die im ersten Obergeschoss der Bibliothek aufgestellt ist.

Die Sammlung Neumann besteht inzwischen aus etwa 2.150 Buchreihen mit insgesamt rund 30.000 Bänden. Sie umfasst den Zeitraum vom deutschen Kaiserreich über die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, die Teilung Deutschlands bis in die Gegenwart.

Die Veranstaltung ist öffentlich. Gäste sind willkommen. Der Eintritt ist frei.

Puppenspiel mit Moralitäten

Einladung zur zur Eröffnung der Ausstellung »Puppenspiel mit Moralitäten. Heinz Zander – Bilder zur Literatur«

Heinz Zander, Der Engel John Silver, 1990, Öl, 70 x 80

Ausstellungseröffnung
Puppenspiel mit Moralitäten
Heinz Zander – Bilder zur Literatur

Literaturhaus Magdeburg
Sonnabend, 19. November 2022, 15 Uhr

Laudatio: Oliver Schwulst (Leipzig)
Musik: Gerd Becker & Stefano Riva (Magdeburg)

Der Eintritt ist frei.

Zur Eröffnung der Ausstellung »Puppenspiel mit Moralitäten. Heinz Zander – Bilder zur Literatur« am Sonnabend, 19. November 2022, laden wir Sie herzlich in das Literaturhaus Magdeburg ein. Beginn ist um 15 Uhr. In der Ausstellung werden rund 150 Werke des Leipziger Künstlers Heinz Zander (*1939) gezeigt. Darunter großformatige Ölbilder ebenso wie kleinformatige Zeichnungen oder Druckgrafik.

In seinen sechs Jahrzehnten künstlerischen Wirkens hat Heinz Zander als Autor selbst Literatur geschaffen und sich als Zeichner und Maler umfangreich mit Literatur auseinandergesetzt. Die Ausstellung im Literaturhaus vermittelt einen Blick in das Werk Zanders aus diesem speziellen Blickwinkel heraus. Der Kunsthistoriker Oliver Schwulst (Leipzig) wird die Gäste der Vernissage in dessen vielfältige Bilderwelt einführen: »… Die Bildwelt Heinz Zanders ist umgeben von der Aura des Poetischen, die viel erzählt, doch mehr verschweigt. Sein gesamtes künstlerisches Schaffen ist durchzogen von zahlreichen Motiven aus abendländischen Märchen und antiken Sagen, aber auch der Weltliteratur der jüngeren Jahrhunderte. Die gleichnishaften Kompositionen spiegeln seine eigene Lese-Arten, die das ursprüngliche Wesen des Textes, hinter einem oft zugespitzten Charakter verbergen. …«

Ausstellung: Wort- und Bilderlust im Zeichen der Palme

Die Einbände der Thüringer Literaturzeitschrift Palmbaum

Andrucke und Originalgrafiken in einer Ausstellung des Vereins der Bibliophilen und Grafikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt e. V. im Literaturhaus Magdeburg

Ausstellungseröffnung
Sonnabend, 25. Juni 2022
15 Uhr
Literaturhaus Magdeburg

Die Zeitschrift „Palmbaum. Literarisches Journal aus Thüringen“ besteht seit 1993 und erscheint zweimal jährlich im quartus-Verlag Bucha bei Jena. Sie wird vom Thüringer Literaturrat herausgegeben und von der Thüringer Staatskanzlei gefördert. Ihr Vorbild ist die „Fruchtbringende Gesellschaft“, die erste deutsche Literaturvereinigung, die 1617 in Weimar gegründet wurde und sich die vielfach nutzbringende Palme als ihr Erkennungszeichen gewählt hat. Seit 2005 werden die Einbände der Zeitschrift von Künstlern aus Mitteldeutsch­land gestaltet. Der Reigen der Beteiligten reicht von Gerhard Altenbourg über Moritz Götze, Angela Hampel, Karl-Georg Hirsch, Horst Hussel, Gerda Lepke, Gerd Mackensen, Wolfgang Petrovsky, Uwe Pfeifer, Strawalde, Klaus Süß, Susanne Theumer, Hans Ticha, Max Uhlig und Kay Voigtmann bis zu Baldwin Zettl. So vereinen die Hefte beste Literatur und Grafik aus dem Osten.

Auf Einladung des Vereins der Bibliophilen und Grafikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt e. V. sind ab 25. Juni im Literaturhaus Magdeburg 34 signierte Andrucke der Einbände und Originalgrafiken zu sehen. An den Heften lässt sich Buchgestaltung exemplarisch nachvollziehen, denn oft gilt es den geeigneten Ausschnitt einer Grafik auszuwählen und mit den typografischen Bausteinen abzustimmen, damit ein Umschlag entsteht, der Neugier auf das Titelthema weckt und ästhetischen Genuss gewährt.

Zur Eröffnung der Ausstellung stellen Jens-Fietje Dwars (Jena) und André Schinkel (Halle) das aktuelle Heft zu Novalis vor. Der eine ist Chefredakteur des „Palmbaums“, der andere von „Ort der Augen“. Beide lesen aus ihren jüngsten Büchern: aus „Goethes Erotica“ mit Zeichnungen von Gerd Mackensen und dem Erzählband „Die Stadt, die ich verlasse“. Kurzum: eine Lust für alle, die Worte und Bilder lieben – und mehr noch deren wechselseitige Bereicherung im schönen Buch.Die Ausstellung ist vom 26. Juni bis 12. August zu sehen, gefördert durch das Kulturbüro der Landeshauptstadt Magdeburg und unterstützt durch den Verein Literaturhaus Magdeburg.

Geschichte des Kinderbuches

Vortrag am 2o. April 2022 um 19 Uhr im Literaturhaus Magdeburg

Mit der Geschichte des Kinderbuches befasst sich Michaela Ibsen-Firsching in ihrem Vortrag am 20. April im Literaturhaus Magdeburg. Dazu lädt der Verein der Bibliophilen und Graphikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt „Willibald Pirckheimer“ ein. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Es gilt die 2G-plus-Regel.

Die Anzahl der Besucher ist aufgrund der Hygienebestimmungen begrenzt.
Bitte anmelden unter
Telefon 0391 / 404 49 95 oder 0178 877 02 44.

Buchcover
Aus der Sammlung von Michaela Ibsen-Firsching: Bertuchs „Bilderbuch für Kinder“ | Abb.: M. Ibsen-Firsching

Michaela Ibsen-Firsching, selbst Mitglied bei den Magdeburger Pirckheimern, zeigt bei der Vorstellung der Kinderbücher illustrierte Exemplare in ihrem historischen Zusammenhang und unter künstlerisch-ästhetischen Aspekten. 

Ganz allgemein beginnt die Geschichte des Kinderbuches mit der Verbreitung des Buchdrucks. Zunächst geht es vor allem um ABC-Fibeln, pädagogische Handreichungen, biblische Geschichten und Fabeln. Zunehmend steht später die Vermittlung von Wissen im Vordergrund. Das geschah häufig mit Werken, die einem Lexikon ähnlich sind, beispielsweise Orbis pictus von Comenius (1658) oder Bertuchs Bilderbuch für Kinder im 18. Jahrhundert.

Ein weiterer Aspekt ist das Kinderbuch, dass zur Unterhaltung dienen soll. Dessen Geschichte beginnt in Deutschland erst Mitte des 19. Jahrhunderts zum Beispiel mit „ Der Struwwelpeter“. Zeitgleich entstehen große Märchensammlungen.In den folgenden Jahrhunderten werden die kindlichen Vorstellungen zunehmend und in vielfältiger Weise in der Kinderliteratur berücksichtigt.

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